Änderungen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
K
keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 21: Zeile 21:     
==Vermarktung und Werbung==
 
==Vermarktung und Werbung==
[[image:Karason8.jpg|Thematisierung der Nebenwirkung Argyrie in der Werbung für kolloidales Silber. Die Nebenwirkung wird als "kosmetisch" und heilbar bezeichnet, obwohl keine effektive Therapie bekannt ist|300px|thumb]]
+
[[image:Karason8.jpg|Thematisierung der Nebenwirkung Argyrie in der Werbung für kolloidales Silber. Die Nebenwirkung wird als "kosmetisch" und heilbar bezeichnet, obwohl keine effektive Therapie bekannt ist. Das Bild zeit [https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Karason Paul Karason].|300px|thumb]]
 
Kolloidales Silber wird in Deutschland, aber auch anderen Ländern aggressiv über MLM-Networks vermarktet, obwohl es für die beworbenen Zwecke ungeeignet und unwirksam ist. Mögliche Gesundheitsgefahren werden durch (oft unerfahrene) MLM-Verkäufer entweder geleugnet oder sind diesen aufgrund fehlender Fachkenntnisse unbekannt. Vermarktet wird nicht nur kolloidales Silber, sondern häufig auch Geräte und Zubehör zur elektrischen Selbstherstellung von kolloidalem Silber.
 
Kolloidales Silber wird in Deutschland, aber auch anderen Ländern aggressiv über MLM-Networks vermarktet, obwohl es für die beworbenen Zwecke ungeeignet und unwirksam ist. Mögliche Gesundheitsgefahren werden durch (oft unerfahrene) MLM-Verkäufer entweder geleugnet oder sind diesen aufgrund fehlender Fachkenntnisse unbekannt. Vermarktet wird nicht nur kolloidales Silber, sondern häufig auch Geräte und Zubehör zur elektrischen Selbstherstellung von kolloidalem Silber.
   Zeile 41: Zeile 41:     
==Nebenwirkungen: Zellschädigung, Argyrie und Argyrose==
 
==Nebenwirkungen: Zellschädigung, Argyrie und Argyrose==
[[image:karason3.jpg|Bild eines Mannes (Paul Karason/USA), der lange Zeit kolloidales Silber trank und Argyrie bekam|300px|thumb]]
+
[[image:karason3.jpg|Bild eines Mannes (Paul Karason/USA, "Papa smurf"), der lange Zeit kolloidales Silber trank und Argyrie bekam. Er starb 2013|300px|thumb]]
 
[[image:PaulKarasonKS.jpg|Paul Karason führt seinen "KS-Generator" bei CNN vor|300px|thumb]]
 
[[image:PaulKarasonKS.jpg|Paul Karason führt seinen "KS-Generator" bei CNN vor|300px|thumb]]
[[image:karason2.jpg|Paul Karason mit Freundin|300px|thumb]]
+
[[image:karason2.jpg|Paul Karason ("Papa smurf") mit Freundin|300px|thumb]]
 
[[image:Rosemaryjacobs.jpg|Bild von Rosemary Jacobs (links), die nach Einnahme in ihrer Kindheit Argyrie bekam|300px|thumb]]
 
[[image:Rosemaryjacobs.jpg|Bild von Rosemary Jacobs (links), die nach Einnahme in ihrer Kindheit Argyrie bekam|300px|thumb]]
 
[[image:Stanjones.jpg|Stan Jones nach Einnahme von selbst hergestelltem KS|300px|thumb]]
 
[[image:Stanjones.jpg|Stan Jones nach Einnahme von selbst hergestelltem KS|300px|thumb]]
Zeile 49: Zeile 49:  
Eine 2012 in Deutschland durchgeführte Untersuchung zeigte, dass Silber neben der antibakteriellen Wirkung auch schädlich auf menschliche Zellen wirkt. Zudem schwächt das im Blut befindliche Bluteiweiss Albumin die Wirkung von Silber auf Bakterien. Das hat ein Team um Professor Stephan Barcikowski vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Uni Duisburg-Essen (UDE) in drei Veröffentlichungen belegt. Silberionen schädigten neben Bakterien in der gleichen Konzentration auch Fibroblasten (Zellen des Bindegewebes).<ref>https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Silber-toetet-Keime-schaedigt-aber-Zellen-279195.html</ref>
 
Eine 2012 in Deutschland durchgeführte Untersuchung zeigte, dass Silber neben der antibakteriellen Wirkung auch schädlich auf menschliche Zellen wirkt. Zudem schwächt das im Blut befindliche Bluteiweiss Albumin die Wirkung von Silber auf Bakterien. Das hat ein Team um Professor Stephan Barcikowski vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Uni Duisburg-Essen (UDE) in drei Veröffentlichungen belegt. Silberionen schädigten neben Bakterien in der gleichen Konzentration auch Fibroblasten (Zellen des Bindegewebes).<ref>https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Silber-toetet-Keime-schaedigt-aber-Zellen-279195.html</ref>
   −
Eine Vielzahl von Personen, die in der Vergangenheit kolloidales Silber in der Hoffnung auf therapeutische Erfolge einnahm, erkrankte an der Hautkrankheit '''Argyrie''' (ältere Bezeichnung Argyriasis, von griechisch Argyron, englisch argyria; siehe auch Auriasis oder Chrysiasis bei Gold), bei der sich die Haut für immer (also lebenslang) insgesamt bläulich-grau verfärbt - insbesondere an Hautstellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Der Begriff ''Argyrie'' geht auf den deutschen Arzt Johann Abraham Albers aus Bremen zurück, der den Begriff 1816 einführte<ref>Albers JA, "Observations on a change of colour in the skin, produced by the internal use of the nitrate of silver," Medico-chirurg. Trans., 1816, 7, 284.</ref> und wurde später von Fuchs 1840 benutzt. Als Argyrose werden lokale Verfärbungen bezeichnet, meist im Bereich des Auges. Die Argyrie gehört zu den Dyschromien (Chromatosen) der Haut. Insbesondere sind in den letzten Jahren viele Menschen durch selbsterzeugtes kolloidales Silber mit Hilfe von so genannten ''Silbergeneratoren'' zu Argyrikern geworden. Es gibt keine Therapie dieser Erkrankungen.<ref>http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19729504?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum Unintentional silver intoxication following self-medication: an unusual case of corticobasal degeneration. Stepien KM, Morris R, Brown S, Taylor A, Morgan L. Ann Clin Biochem. 2009 Sep 3. [...] The most notable feature is a grey-blue discoloration of the skin, argyria, although harmful effects on the liver and kidney may be seen in severe cases. Neurological symptoms are an unusual consequence of silver toxicity. So far no effective treatment has been described for this metal overdose.</ref> Die Entwicklung einer Argyrie durch kolloidales Silber wird von den Herstellern und Vermarktern gerne bestritten. Die Literaturliste veröffentlichter wissenschaftlicher Untersuchungen zu dem Thema ist aber leider lang; eine Vielzahl von Personen, die nach Einnahme von kolloidalem Silber eine bleibende Argyrie bekamen, wurde durch Artikel in medizinischen Fachzeitschriften oder den Medien bekannt. Zu diesen gehört die Amerikanerin Rosemary Jacobs, der amerikanische Senatskandidat Stan Jones<ref>http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/2297471.stm</ref> oder Paul Karason (1951-2013). Karason stellte zu Hause kolloidales Silber mit Hilfe von destilliertem Wasser und reinen Silberelektroden elektrochemisch her,<ref>http://today.msnbc.msn.com/id/23030062/ [...] Colloidal silver is a suspension of silver in a liquid base — in this case, distilled water. Karason makes it himself by running an electrical current through water with a piece of silver in it, a process called electrolysis [...]</ref> genauso wie es von den Geräteherstellern im In- und Ausland empfohlen wird.
+
Eine Vielzahl von Personen, die in der Vergangenheit kolloidales Silber in der Hoffnung auf therapeutische Erfolge einnahm, erkrankte an der Hautkrankheit '''Argyrie''' (ältere Bezeichnung Argyriasis, von griechisch Argyron, englisch argyria; siehe auch Auriasis oder Chrysiasis bei Gold), bei der sich die Haut für immer (also lebenslang) insgesamt bläulich-grau verfärbt - insbesondere an Hautstellen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Der Begriff ''Argyrie'' geht auf den deutschen Arzt Johann Abraham Albers aus Bremen zurück, der den Begriff 1816 einführte<ref>Albers JA, "Observations on a change of colour in the skin, produced by the internal use of the nitrate of silver," Medico-chirurg. Trans., 1816, 7, 284.</ref> und wurde später von Fuchs 1840 benutzt. Als Argyrose werden lokale Verfärbungen bezeichnet, meist im Bereich des Auges. Die Argyrie gehört zu den Dyschromien (Chromatosen) der Haut. Insbesondere sind in den letzten Jahren viele Menschen durch selbsterzeugtes kolloidales Silber mit Hilfe von so genannten ''Silbergeneratoren'' zu Argyrikern geworden. Es gibt keine Therapie dieser Erkrankungen.<ref>http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19729504?ordinalpos=1&itool=EntrezSystem2.PEntrez.Pubmed.Pubmed_ResultsPanel.Pubmed_DefaultReportPanel.Pubmed_RVDocSum Unintentional silver intoxication following self-medication: an unusual case of corticobasal degeneration. Stepien KM, Morris R, Brown S, Taylor A, Morgan L. Ann Clin Biochem. 2009 Sep 3. [...] The most notable feature is a grey-blue discoloration of the skin, argyria, although harmful effects on the liver and kidney may be seen in severe cases. Neurological symptoms are an unusual consequence of silver toxicity. So far no effective treatment has been described for this metal overdose.</ref> Die Entwicklung einer Argyrie durch kolloidales Silber wird von den Herstellern und Vermarktern gerne bestritten. Die Literaturliste veröffentlichter wissenschaftlicher Untersuchungen zu dem Thema ist aber leider lang; eine Vielzahl von Personen, die nach Einnahme von kolloidalem Silber eine bleibende Argyrie bekamen, wurde durch Artikel in medizinischen Fachzeitschriften oder den Medien bekannt. Zu diesen gehört die Amerikanerin Rosemary Jacobs, der amerikanische Senatskandidat Stan Jones<ref>http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/2297471.stm</ref> oder [https://en.wikipedia.org/wiki/Paul_Karason Paul Karason (1950-2013)]. Karason stellte zu Hause kolloidales Silber mit Hilfe von destilliertem Wasser und reinen Silberelektroden elektrochemisch her,<ref>http://today.msnbc.msn.com/id/23030062/ [...] Colloidal silver is a suspension of silver in a liquid base — in this case, distilled water. Karason makes it himself by running an electrical current through water with a piece of silver in it, a process called electrolysis [...]</ref> genauso wie es von den Geräteherstellern im In- und Ausland empfohlen wird.
    
2013 wurde ein Argyriefall aus dem Umland von Basel (Baselbiet) bekannt, über den mehrere Schweizer Zeitungen berichteten.<ref>http://bazonline.ch/basel/land/Silberwasser-macht-Baselbieter-blauviolett/story/17187110</ref><ref>http://www.20min.ch/finance/news/story/Zu-viel-Silber-macht-krank-und-blau-12466342</ref><ref>http://www.bzbasel.ch/schweiz/bund-warnt-vor-geraet-zur-anreicherung-von-trinkwasser-126118427</ref><ref>http://www.schwyzerzeitung.ch/nachrichten/schweiz/schweiz-sda/Warnung-vor-silberhaltigem-Trinkwasser;art46447,241455</ref> Der an Krebs erkrankte Betroffene R. B. hatte fünf Jahre lang zweimal täglich ein Glas Silberwasser zu sich genommen, in der Hoffnung, von Krebs zu gesunden. Vor einem halben Jahr fiel seiner Frau zum ersten Mal eine Blauverfärbung der Haut auf. Nachdem ein Labor einen Silbergehalt des Blutes 200 mal über dem Normwert feststellte, wurde das Gesundheitsamt eingeschaltet. Aufgrund der Gesundheitsgefährdung erließ dieses ein Verkaufsverbot für das vom Betroffenen verwendete Gerät zur Eigenherstellung von kolloidalem Silber (''Pocket Silver'') und leitete den Fall weiter nach Liechtenstein, da dort der Sitz der Vertriebsfirma ist. In diesem Zusammenhang werden die Schweizer Firma silverlife<ref>Silverlife<br>Friedrich Schöb<br>silverlife.ch</ref>, die Firma Intermeba (Markus Burkhalter) sowie die Liechtensteiner Intermeba (Treufid Trust, Luzia Büchel) genannt. Treufid Trust wurde von den Behörden kontaktiert und stellte den Verkauf von Pocket Silver ein.
 
2013 wurde ein Argyriefall aus dem Umland von Basel (Baselbiet) bekannt, über den mehrere Schweizer Zeitungen berichteten.<ref>http://bazonline.ch/basel/land/Silberwasser-macht-Baselbieter-blauviolett/story/17187110</ref><ref>http://www.20min.ch/finance/news/story/Zu-viel-Silber-macht-krank-und-blau-12466342</ref><ref>http://www.bzbasel.ch/schweiz/bund-warnt-vor-geraet-zur-anreicherung-von-trinkwasser-126118427</ref><ref>http://www.schwyzerzeitung.ch/nachrichten/schweiz/schweiz-sda/Warnung-vor-silberhaltigem-Trinkwasser;art46447,241455</ref> Der an Krebs erkrankte Betroffene R. B. hatte fünf Jahre lang zweimal täglich ein Glas Silberwasser zu sich genommen, in der Hoffnung, von Krebs zu gesunden. Vor einem halben Jahr fiel seiner Frau zum ersten Mal eine Blauverfärbung der Haut auf. Nachdem ein Labor einen Silbergehalt des Blutes 200 mal über dem Normwert feststellte, wurde das Gesundheitsamt eingeschaltet. Aufgrund der Gesundheitsgefährdung erließ dieses ein Verkaufsverbot für das vom Betroffenen verwendete Gerät zur Eigenherstellung von kolloidalem Silber (''Pocket Silver'') und leitete den Fall weiter nach Liechtenstein, da dort der Sitz der Vertriebsfirma ist. In diesem Zusammenhang werden die Schweizer Firma silverlife<ref>Silverlife<br>Friedrich Schöb<br>silverlife.ch</ref>, die Firma Intermeba (Markus Burkhalter) sowie die Liechtensteiner Intermeba (Treufid Trust, Luzia Büchel) genannt. Treufid Trust wurde von den Behörden kontaktiert und stellte den Verkauf von Pocket Silver ein.
18.331

Bearbeitungen

Navigationsmenü